Brandenburger Vorstadt · Potsdam
Von der Stiftung 1898 bis heute – die Geschichte einer Kirche, die das Leben ihres Viertels über mehr als 125 Jahre begleitet hat.
Die Erlöserkirche steht seit 1898 in der Brandenburger Vorstadt. Sie wurde nicht für den Hof gebaut, sondern für die Menschen eines wachsenden Quartiers – und ist seither geblieben: durch Kriegsjahre, Wiederaufbau und vier Jahrzehnte DDR bis in die Gegenwart.
Wer ihre Geschichte kennt, versteht, warum sich ihr Erhalt lohnt. Die folgenden Etappen erzählen sie – Schritt für Schritt, von der Kaiserzeit bis zur Arbeit des Fördervereins heute.

Nach Entwürfen des Kirchenbaurats Gotthilf Ludwig Möckel entsteht ein neugotischer Backsteinbau – ein achteckiger Zentralbau mit schlankem 74-Meter-Turm, von Sanssouci aus sichtbar.
Im Mai 1898 wird die Kirche geweiht. Sie gehört zu den rund hundert Kirchen, die Kaiserin Auguste Viktoria anstieß – als Kirche für das wachsende bürgerliche Viertel, nicht für den Hof. Eine Sauer-Orgel mit 43 Registern wird eingebaut.


Zwei Glocken der Erlöserkirche wurden während des zweiten Weltkrieges eingeschmolzen. Die dritte Glocke („Auguste Viktoria“) blieb erhalten, tat bis in die 80er Jahre ihren Dienst und kann jetzt zu besonderen Anlässen im Turmzimmer besichtigt werden. Zwei große Bronzeglocken kamen 1948 als Dauerleihgabe aus der ehemaligen Garnisonkirche in den Turm – der Einschmelzung für die Rüstung entgangen.
In den letzten Kriegstagen 1945 wird die Kirche erheblich zerstört, während weite Teile Potsdams in Trümmern liegen.


Bis 1947 werden die wichtigsten Instandsetzungsarbeiten ausgeführt – die Gemeinde kann ihre Kirche wieder nutzen.
Anfang der 1960er wird der Innenraum komplett renoviert. 1964 nimmt die Gemeinde eine neue Schuke-Orgel mit 36 Registern in Dienst – der Beginn als bedeutende kirchenmusikalische Aufführungsstätte.


In der DDR wird die Erlöserkirche zu einem Schutzraum. Wo der Staat kontrolliert, bietet die Gemeinde Raum für Gespräche, die anderswo nicht möglich sind. Ein Erbe, das bis heute trägt.
Mit der Wiedervereinigung beginnt ein neues Kapitel. Zunächst wird die dringend nötige Sanierung der Gebäudehülle angegangen.


Nach Prof. Friedrich Meinel leitet seit1997 der Dirigent Ud Joffe die Potsdamer Kantorei und die Musik an der Erlöserkirche – Chöre, Orchester und der Internationale Orgelsommer prägen das Haus. Organist Tobias Scheetz und Sophie Malzo für die Chöre sind dabei wichtige Mitwirkende.
Schritt für Schritt wird die historische Innenraumgestaltung zurückgewonnen, auch die Ausmalung des Altarraums restauriert.


Weitere Abschnitte folgen. Die Vorher-Nachher-Dokumentation zeigt: Der Erhalt lohnt sich. Das Innere gewinnt zurück, was die Zeit ihm genommen hat.
Der Verein zur Erhaltung der Erlöserkirche Potsdam hat das Ziel, den Erhalt der Kirche auf breitere Füße zu stellen und die Nachbarschaft einzuladen, mitzuwirken.

Bewegtbild
Aufnahmen aus dem Internationalen Orgelsommer Potsdam in der Erlöserkirche.

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